Als ich das erste Kapitel dieses Buches schrieb, saß ich weinend in meiner Badewanne. Ironischerweise war es beim letzten Kapitel nicht anders. Der Gedanke, dass ein anderer Mensch diese Zeilen lesen wird, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren – und doch tanzt mein Herz vor Freude.
In meinem neuen Buch, „Briefe an meine Seele“, habe ich meine gesamte Essenz und mein authentischstes Ich sprechen lassen. Es zu schreiben, war eine heilsame und hoffnungsvolle Reise, denn die Vorstellung, dass jemand anderes Ähnliches erlebt hat und nun weiß, damit nicht allein zu sein, schenkt mir den Frieden, nach dem ich mich so oft gesehnt habe.
Wie der Titel verrät, gliedert sich mein neues Buch in Briefkapitel, adressiert an meine Seele. Sie sind ein ungeschönter und verletzlicher Spiegel von Geschehnissen und Begegnungen auf meiner Reise zurück zu mir Selbst.
Die Leseprobe, die ich für dich ausgewählt habe, ist ein ungeplantes, nachgeschobenes Kapitel – denn eigentlich war mein Buch bereits fertig, als diese Zeilen niedergeschrieben werden wollten.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
„Briefe an meine Seele“ ist ab Januar 2026 in gut sortierten Buchhandlungen und online erhältlich. Bestelle mein neues Buch bis zum 31.12.25 über das Kontaktformular meiner Webseite vor und sichere dir 10 % Rabatt! Die ersten Bücher werden im Januar verschickt.
Möge es Glück auf dich regnen.
In Liebe,
Sandra

Leseprobe
(…)
Seele,
Von Margeriten und Marienkäfern
Ich hatte so lange nicht mehr gedatet. Völlig versunken in einem nicht enden wollenden Versicherungsstreit brauchte ich eine Ablenkung von meinen Gedanken. Also meldete ich mich wieder einmal auf einer Flirt-Plattform an. Anders als sonst wollte ich dieses Mal wirklich in Kontakt treten. Und da war er.
Kultiviert, tiefgründig. Die vielen Parallelen in unserem Leben waren verblüffend: beide getrennt, Kinder im selben Alter, Arbeit im selben Bereich, in der Nähe aufgewachsen.
„Na gut, dem gebe ich meine Nummer“, dachte ich mir, obwohl ich das eigentlich nicht tat.
Sofort folgten nächtelange Gespräche und Guten-Morgen-Nachrichten, die selbst den dunkelsten Tag mit einem Lächeln beginnen ließen. Er war so aufmerksam und sagte so viele schöne Dinge. Doch mein Kopf mahnte mich immer wieder: „Sei vorsichtig, Sandra, lass dich nicht so schnell darauf ein. „Du kannst nur wieder verletzt werden.“ Ich versuchte, das Ganze zu genießen, ohne mich daran zu gewöhnen.
Nach der Trennung vom Vater meines Sohnes, dachte ich nie wieder in der Lage zu sein, einem Mann vertrauen oder gar lieben zu können. Angst und Selbstschutz bauen hohe Mauern. An die dramatische Zeit damals, erinnerten mich noch immer Risse in meinem Herzen und schief wieder zusammengewachsene Fingerknochen. Und trotzdem, ich wollte mein Herz wieder fühlen lassen, auch wenn das Enttäuschung, Wut und Traurigkeit bedeutete.
Denn nur wenn ein Herz fühlt, dann lebt es auch.
Seine Art war wirklich besonders, und seine Stimme war so beruhigend und friedlich. Er sprach anmutig und voller Sanftmut. Ich wollte diese Stimme für immer hören. Er war Musiker und sang wunderschöne Lieder. Am Vortag hatte er mir einen seiner Songs geschickt. Ich habe ihn immer wieder beim Einschlafen gehört und in dieser Nacht von einer Wiese voller Margeriten und Marienkäfer geträumt.
Nach meiner Schwangerschaft fühlte sich mein Körper nicht mehr an wie früher. Doch er gab mir das Gefühl, dass ich genau so, wie ich war, richtig war. Ich hatte mich schon lange nicht mehr so begehrt gefühlt. Diese Berührungen – mein Gott, waren sie schön.
Ein paar Wochen lang war alles gut. Und dann wurden die Nachrichten knapper und die Abstände zwischen ihnen länger. „Vielleicht ist er nur beschäftigt“, redete ich mir ein. Aber meine Unsicherheiten wollten das nicht hören. Irgendwann war ich überzeugt, dass er einfach kein Interesse mehr hatte. Wahrscheinlich hatte ich recht.
So kam es zum Streit. Vielleicht hatte er einfach gemerkt, dass die Gefühle nicht reichen, oder war nicht ehrlich, als er sagte, er sei an einer Beziehung interessiert. Er stritt alles ab. Ich habe viel geweint, und ein paar Tage haben wir nicht mehr miteinander gesprochen. An jenem Abend ersetzte ich das Weinen mit Wein, was vielleicht für den weiteren Verlauf des Tages verantwortlich gewesen ist. Eigentlich waren wir an diesem Wochenende verabredet.
Ein bisschen irrational und ohne Kontext schrieb ich ihm aus dem Nichts, ob er vorbeikommen möchte. Eine halbe Stunde später war er da. Wir aßen Sushi, schauten einen Film und hörten Musik. Er erklärte mir auf dem Balkon, warum die Sterne funkeln. Dass der Blick nach oben eigentlich ein Blick in die Vergangenheit ist. Ich hatte das schon mal gehört, aber in diesem Moment kam ich mir vor wie in einem amerikanischen Teenie-Liebesfilm.
Ich hätte ihm stundenlang zuhören können, wie er da saß und dabei meine Beine streichelte, die auf seinem Schoß lagen, und von den Sternen sprach. Auch in dieser Nacht waren die Berührungen intensiv. Mein ganzer Körper vibrierte. Ich hatte mich noch nie einem Mann so hingegeben, ohne zu versuchen, meine Schwachstellen zu kaschieren.
Wir lagen stundenlang auf der Couch und ich streichelte seinen Kopf. Er lag in meinen Armen und sagte zu mir: „Ich höre dein Herz schlagen. „Ich kann dir versichern, dass du lebst.“ Ich dachte mir, dass er nicht einmal ahnt, wie lebendig ich mich gerade fühle und wie lange es her ist, dass ich das gefühlt habe.Ich hatte mir selbst so viele Verhaltensregeln auferlegt, um es langsam und richtig zu machen und nicht wieder enttäuscht zu werden. Aber spätestens dann wusste ich, dass ich dabei bin, mich in ihn zu verlieben.
Ich wusste aber auch, dass sich sein Interesse zuvor aus heiterem Himmel in Kargheit und Kälte verwandelt hatte.
Am nächsten Tag geschah genau das, worauf ich mich vorbereitet hatte: Er war wortkarg, antwortete kaum und stellte keinerlei Fragen.
Ich erwartete keine endlosen Liebesschwüre und wollte kein “Perfekt”. Ich wollte ein “Echt” und zum ersten Mal seit langem hatte ich das Gefühl, etwas Echtem begegnet zu sein. Bis dahin, fühlte es sich so echt an, dass ich entgegen meiner streng säuberlich auferlegten Protokolle, anfing, über eine mögliche gemeinsame Zukunft nachzudenken. Ja, ich weiß, ein bisschen übertrieben, aber auch bei mir können Endorphin- und Serotoninschübe mal kicken. Ich fragte mich, wie er wohl als Vater mit seiner Tochter sei und irgendwie war ich mir sicher, dass er sehr liebevoll mit ihr umging.
Inmitten den schönen Luftschlössern, die ich baute, erinnerte ich mich an ein Video Telefonat, das wir einmal hatten. In seiner Wohnung hingen noch Ballons und Girlanden vom Geburtstag seiner Tochter – und da hatte er mich. „Wie fürsorglich und liebevoll, die Wohnung für solch einen besonderen Tag herzurichten“, sagte ich zu mir. Die Ballons hatten ihn wahrscheinlich schon dann direkt in mein Herz katapultiert. Bei mir hingen noch Klebereste vom Geburtstag vor 2 Jahren an der Decke. Ich hatte Angst vor Leitern und kam nicht dran. “Vielleicht entfernt er sie eines Tages einmal”, dachte ich mir.
Aber ihn interessierten weder die Klebereste, noch wie mein Tag gewesen war. Keine Nachricht, kein Anruf. Er hatte es schon wieder getan und mir einen Strauß aus Kargheit und Desinteresse übergeben.
Verdammt.
Spätestens dann, wusste ich, dass es an der Zeit war, die rosarote Brille wieder abzusetzen. Kurz zuvor hatte ich eine kritische Zeit durchlebt und eine ernste gesundheitliche Situation durchlaufen. Eine Zeit lang war alles um mich herum düster und dunkel. Dieser rosarote Filter war ein schöner Szenenwechsel.
Er ahnte nichts von den trüben Tagen und den schattigen Kulissen, denn er stellte nie Fragen, um zu erfahren, wer ich wirklich war. Stattdessen schrieb er mir nur anzügliche Nachrichten. Und obwohl ich mich so sehr nach einem einfachen „Wie war dein Tag?“ sehnte, nahm ich die Brotkrumen, die ich von ihm bekam, und ließ mich auf den Dirty Talk ein. Ich wollte Verbindung und bekam Vulgarität. In meiner Vorstellung war er ein Philanthrop, in der Realität ein Fuckboy.
Es war laut, als die Schmetterlinge in meinem Bauch starben. Während ihres Verenden, rissen sie den schönen Schleier herunter, der vorgab eine lyrische Liebeserklärung zu sein, aber in Wahrheit liebloses Love-Bombing verbarg.
„Das reicht nicht“, dachte ich mir und wollte mich schützen, bevor diese tiefen Gefühle noch weitergingen und ich mit noch mehr Kälte konfrontiert wurde. So versuchte ich, unsere Begegnung liebevoll und ohne Drama zu beenden. Ich schrieb ihm, dass mich seine Wortkargheit erdrückte und wir wohl zu verschieden seien. „So sei er nun mal“, sagte er und wirkte verwundert über meine Entscheidung, bemühte sich aber nicht, die Verbindung aufrechtzuerhalten.
Ich war traurig und ärgerte mich und er tinderte wahrscheinlich schon wieder weiter. Vermutlich erwies er mir mit seiner Ignoranz einen großen Dienst. Diese Begegnung lehrte mich, dass ich noch lieben konnte. Dass ich noch leiden konnte.
Und all die Margeriten und Marienkäfer, werden eines Tages blühen und fliegen. In ihrer vollen Pracht, inmitten einer angenehmen Wärme, in echter Verbindung.
(…)
