Wie zuvor angekündigt gibt es nun die zweite Leseprobe in Form eines ganzen Kapitels meines neuen Buches ‚Briefe an meine Seele‘. Als kleines Dankeschön für den wahnsinnigen Ansturm in Form der ganzen Vorstellungen die mich in den letzten Tagen immer wieder zum Staunen brachten und sprachlos gemacht haben.


In meinem neuen Buch, „Briefe an meine Seele“, habe ich meine gesamte Essenz und mein authentischstes Ich sprechen lassen. Es zu schreiben, war eine heilsame und hoffnungsvolle Reise, denn die Vorstellung, dass jemand anderes Ähnliches erlebt hat und nun weiß, damit nicht allein zu sein, schenkt mir den Frieden, nach dem ich mich so oft gesehnt habe.


Die neue und letzte Leseprobe ist eine sehr persönliche autobiographische Phase meines Lebens mit dem Titel von Mutterliebe und Myzelfäden.


„Briefe an meine Seele“ ist ab Januar 2026 in gut sortierten Buchhandlungen und online erhältlich. Bestelle mein neues Buch bis zum 31.12.25 über das Kontaktformular meiner Webseite vor und sichere dir 10 % Rabatt! Die ersten Bücher werden im Januar verschickt.


Möge es Glück auf dich regnen.


In Liebe,
Sandra

Leseprobe

(…)

Seele,

Von Mutterliebe und Myzelfäden

Bäume haben das Prinzip der Familie wohl besser kultiviert als Menschen. Zusammenhalt und ein kollektives Verständnis des Seins – krass, was wir von Bäumen lernen können!

Wusstest du, dass Bäume kilometerweit über unterirdische Myzelfäden, eine Symbiose aus Mykorrhiza-Pilzen und Baumwurzeln, miteinander verbunden sind? Es ist ein perfektes Netzwerk, in dem die Pflanzen und Bäume Informationen austauschen, wer gerade was braucht und wer wem was geben kann. Birken brauchen Nährstoffe? Check. Buchen haben Keimlinge zu vergeben? Check. Was für ein Wahnsinn!

Die Myzelfäden sind die Verbindung der gesamten Flora, die regelmäßige „Check-ins“ macht und dafür sorgt, dass alle haben, was sie brauchen.

Wie eine gute Mutter, die ihre Familie zusammenhält und sicherstellt, dass jeder gut versorgt ist.

Ich weiß, dass meine Mutter immer ihr Bestes gegeben hat und dass ihre eigenen Wunden der Grund dafür waren, weshalb sie neue schuf.

Sie war eine alleinerziehende Mutter, die selbst aus der Kargheit kam und keinerlei emotionale Rückendeckung hatte. Ihre einzige Strategie, den Alltag zu überleben, war die Isolation. Auch wenn meine Mutter immer ein sehr introvertierter Mensch war, der Austausch mit anderen mied, war ich das komplette Gegenteil. Mein quarkendes, lautes Organ füllte schon als Kind oft Orte mit hysterischen Lachen und haptischen Erzählungen. Und das tut es auch heute noch, wenn ich mit meinen Kollegen so laut lache oder Geschichten aus meinem Alltag mit Kind und Katzen erzähle, die das ganze Büro zum Kichern animieren. Mein sehnlicher Wunsch nach Verbindung und sozialen Kontakten, wurde von der Isolation zu Hause stranguliert und erstickt.

Anders als bei den Bäumen gab es in meiner Kindheit keine Myzelfäden, die Bestandsaufnahmen der Bedürfnisse machten oder die Sprösslinge zusammen hielten. Bei uns zerbrach die Flora, weil unsere Myzelfäden schon lange zuvor verendet waren.

Als mein Vater auszog, war es laut, schwer und karg.

Ich war wohl das einzige Kind, das sich freiwillig zum Ferienunterricht angemeldet hatte, aber die Alternative war die erdrückende Leere Zuhause. Bildung war mein Weg da raus.

Ich wollte so gerne eine Sportart machen. Fußball interessierte mich zwar überhaupt nicht, aber ich hatte eine Freundin, die spielte. Ich bettelte meine Mutter an, mich auch anzumelden – es sollte ein Wunsch bleiben. Ich hasste die Ferien. Als meine Freunde verreisten oder Grillfeste veranstalteten, gab es bei uns nur Fernsehen. Den ganzen Tag Fernsehen. Freunde durfte ich nur selten einladen.

Aber es gab Frau Strässer.

Deutsch und Französisch von der Vorschule bis zur 5. Klasse durfte ich bei ihr lernen. Im Nachhinein hätte ich meinen Hang zu Frankreich wohl hier schon erkennen können, rennt doch heute mein kleiner Franzose durch den Garten und rettet Schnecken – er isst sie übrigens nicht.

Frau Strässer hatte immer etwas in mir gesehen, was sonst keiner sehen konnte. „Du schreibst tolle Geschichten, Sandra“, sagte sie. Manchmal lobte sie mich vor der ganzen Klasse. Das war furchtbar peinlich, aber auch das schönste Gefühl überhaupt.

Ich liebte Hausaufgaben, denn ich wusste, dass Frau Strässer sie ansehen würde, und selbst wenn nicht immer alles richtig war, sprach sie mit mir darüber. Es gab Tage, da stritt ich mich sogar mit meiner Mutter wegen der Schulaufgaben, weil sie meinen Eifer für übertrieben hielt.

Ich erinnere mich an den letzten Schultag vor den Sommerferien. Es gab diesmal keinen Ferienunterricht und ich hatte den ganzen Tag auf der Schultoilette geweint. In diesem Jahr gab es nur Aufgaben, die Zuhause gemacht werden sollten. Frau Strässer war so aufmerksam, ich sehe ihr schönes Lachen heute noch vor meinen Augen. In der Schule zwischen vielen anderen und all dem Lärm, wurde ich besser gehört als in meinem stillen Zuhause.

Ich erzählte Frau Strässer von der Einsamkeit, der Langeweile und der erdrückenden Leere. Und vom Fernsehen.

„Du nähst doch gerne“, sagte sie. Das stimmte, als wir in der Schule Nähunterricht hatten, habe ich es geliebt. Sie durfte das bestimmt gar nicht, aber ich ging mit Tüten voller Stoff und Nähzeug nach Hause. Wir hatten abgemacht, dass ich die Ferien nutze, um mir ein Kleid zu nähen.

In diesen Wochen hatte ich unzählige Male meine Finger über die Hornhaut am Stoff festgenäht, aber das war mir egal. Ich erinnere mich noch, einen Bettbezug verarbeitet zu haben, als der Stoff aufgebraucht war.

Da entstand wahrhaftig Out Couture!

Ich war so aufgeregt, Frau Strässer nach den Ferien meine Designer-Stücke vorzustellen und bin vor Freude explodiert, als es soweit war. Fortan hatten wir immer wieder kleine Abmachungen, wie das Schreiben einer Kurzgeschichte am Wochenende oder eben das Nähen eines Kleides in den Ferien.

Manche meiner Kurzgeschichten gefielen ihr so gut, dass sie diese vor der ganzen Klasse vorlas. Ich hatte mich nicht getraut.

Wenn den anderen Kindern die Geschichten gefielen, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Aus den Kurzgeschichten wurde eine wahre Leidenschaft, aber das Kleider nähen habe ich irgendwann gelassen und das Online-Shopping für mich entdeckt.

Ich habe verstanden, dass selbst in einer Umgebung, in der die Wurzeln weder Wasser noch Sonne abbekommen, es immer noch Hoffnung gibt, dass von irgendwoher ein unerwarteter Sonnenstrahl den Weg hindurch finden kann. Und dieser genügt, um eine Verkettung wunderschöner Ereignisse zu verursachen.

Frau Strässer war der Myzelfaden, die in meiner Flora und ihre Begegnung für immer eine der schönsten.

Ich wuchs weiter und selbst die kleinsten Tropfen Wasser und die zartesten Sonnenstrahlen, die ihren Weg zu mir fanden, bewirkten einen endlosen Garten voller Blumen und Bäume, den ich heute anmutig bewundere und weiter bewässere. Damit seine Myzelfäden den Garten meines Sohnes und alle, die noch folgen werden erreichen, und auch dort reichhaltige Früchte wachsen und prächtige Knospen blühen können.