Von Trauma und Träumen
Du musst dich selbst am meisten lieben, um jemand anderen lieben zu können.
Du musst dich so sehr lieben, dass Du akzeptieren kannst, dass jemand anderes das auch tun kann.
Du musst mit jeder Faser deines Seins und in jeder Zelle deines Körpers verstanden haben, dass du liebenswert bist.
Denn nur wenn wir uns selbst lieben, sind wir in der Lage zu glauben, zu akzeptieren und zu verstehen, dass es ein anderer auch tun kann.
Und dann sind da die Schatten der Vergangenheit, die an uns haften und selbst die sonnigsten Tage verdunkeln. Schatten aus Tagen, an dem unsere Seele in Unlicht gestellt wurde. Schatten, aus Tagen, an denen man uns in Frage gestellt hat. Schatten aus Kontakten, die uns für ungenügend beurteilten, bis ihr Urteil unser eigenes wurde.
Manchmal heißen diese Schatten
Ich bin zu viel.
Ich bin zu hässlich.
Ich bin zu fordernd.
Und auch wenn die Brocken der Vergangenheit, die diese dunklen Schatten geworfen haben, schon lange nicht mehr präsent sind, werfen ihre Schatten ein unfassbar dunkles Licht auf helle, sonnige Tage des aktuellen Momentums.
Dann verdunkeln sie die lichtvollen Tage, und auch die Menschen, die diese Tage mit uns verbringen.
Sie werden mit einem Schatten konfrontiert, den sie gar nicht geworfen haben.
Bloß ein müder Blick – doch der Schatten lässt ihn genervt aussehen.
Bloß ein witziges Wort – doch der Schatten lässt ihn bösartig aussehen.
Die einzige Möglichkeit, den Schatten zu verlassen, ist Selbstliebe.
Die Liebe zu uns selbst, die uns so hell leuchten lässt, dass uns kein Schatten mehr verdunkeln kann.
Die Liebe zu unseren Imperfektionismus.
Die Liebe zu unserem Makeln.
Die Liebe zu unserem imperfekten Aussehen und zu unserem unregulierten Verhalten.
Manchmal träumen wir von vollkommenen Tagen in Einigkeit, Fürsorge und Verständnis, aber vor allem in Beständigkeit.
Und wenn uns diese Tage dann finden, dann liegen sie oft so weit außerhalb unseres gewohnten Orbits, dass wir sie nicht einmal erkennen können und sie nicht wertschätzen, sondern fürchten.
Weil die Angst vor dem Unbekannten so viel größer ist, als die Fähigkeit, den Moment zu genießen.
Wenn unsere Träume uns gefunden haben und aus unseren Herzen heraus, Situationen, Orte und Menschen malen, nach denen wir uns so sehr sehnten, dann erfüllt es uns oft nicht mit Dankbarkeit, sondern mit Angst.
Angst, dass der Schatten ihnen ihr Leuchten nimmt.
Glück ist vergänglich.
Wir können es nicht erzwingen, indem wir es fester halten.
Dann erdrücken wir es nur und sind nicht in der Lage, das Glück zu spüren.
Wir können es nur durch uns hindurch fließen lassen, so dass es jeden Teil unseres Seins erreicht und dort verweilen kann, solange es Obhut findet.
Ich laufe mit großen Schritten auf dich zu, aber vorher muss ich mich selbst finden.
Vorher muss ich mich wieder in mich selbst verlieben.
Damit ich deine Liebe akzeptieren kann.
Damit ich dein Licht nicht mit meinem Schatten verdunkle.
Schenk mir Beständigkeit, damit ich ankommen kann.
Zuerst bei mir und dann bei dir.

